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Wahr oder falsch? Nein, Silikone in einem Kosmetikprodukt bedeuten nicht automatisch, dass die Haut «erstickt» oder die Poren verstopfen. Die verfügbaren Daten rechtfertigen es nicht, Silikone als gesamte Stoffgruppe für grundsätzlich komedogen zu halten.
Die Verwechslung beruht vor allem darauf, dass einige Silikone einen sehr feinen Film auf der Haut bilden. «Filmbildend» oder «okklusiv» bedeutet jedoch nicht, dass eine Pore verstopft wird. Bei zu Unreinheiten neigender Haut sind die gesamte Rezeptur und die individuelle Reaktion wichtiger als das Wort Dimethicone auf der INCI-Liste.
Was sind Silikone in Kosmetikprodukten?
Silikone sind eine Familie von Polymeren, die seit Langem in Kosmetik, Dermatologie und bestimmten Medizinprodukten eingesetzt werden. Zu den bekanntesten gehören Dimethicon und verschiedene Siloxane.
Sie können das Gleiten und Verteilen einer Textur verbessern, die Hautoberfläche vorübergehend glätten, Reibung reduzieren und helfen, den Wasserverlust zu begrenzen.
Sie dienen also nicht nur dazu, ein künstlich «weiches» Gefühl zu vermitteln: Ihre physikalischen Eigenschaften können Komfort und Leistung einer Formulierung unterstützen.
Warum heisst es, Silikone liessen die Haut «nicht atmen»?
Einige Silikone bilden auf der Hautoberfläche einen wasserabweisenden Film. Dieser wird manchmal mit einer undurchlässigen Schicht gleichgesetzt, die Talg einschliesst und normale Hautfunktionen verhindert.
Dieses Bild ist zu vereinfacht. Die Haut muss nicht wie eine Lunge «atmen», und ein kosmetischer Film ist keine mechanische Verstopfung jedes einzelnen Follikels.
Bestimmte filmbildende Inhaltsstoffe sollen gerade den Wasserverlust begrenzen und den Hautkomfort verbessern. Entscheidend ist daher nicht allein, ob ein Inhaltsstoff einen Film bildet, sondern ob die Gesamtformulierung zu Ihrer Haut passt.
Sind «okklusiv» und «komedogen» dasselbe?
Nein. Eine okklusive Substanz begrenzt den Wasserverlust an der Hautoberfläche mehr oder weniger stark. Komedogenität beschreibt dagegen die Neigung, unter bestimmten Bedingungen die Bildung von Komedonen zu begünstigen.
Diese Begriffe werden in sozialen Medien häufig verwechselt. Ein filmbildender Stoff muss aber nicht automatisch Mitesser verursachen.
Zudem lässt sich die Komedogenität eines fertigen Produkts nur schwer anhand eines einzelnen Inhaltsstoffs vorhersagen. Konzentration, weitere Bestandteile, Textur, verwendete Menge und individuelle Hautreaktion spielen eine Rolle.
Verursacht Dimethicon Pickel?
Dimethicon gehört zu den am häufigsten verwendeten Silikonen. Es findet sich in Feuchtigkeitspflege, Produkten für beanspruchte Haut und dermatologischen Formulierungen, unter anderem wegen seines Hautgefühls und seiner Barriereeigenschaften.
Die breite Verwendung schliesst nicht aus, dass eine Person ein bestimmtes Produkt schlecht verträgt. Ein Pickel nach Einführung einer Pflege beweist aber nicht, dass Dimethicon dafür verantwortlich ist.
Die Formulierung kann viele weitere Stoffe enthalten. Akne kann sich ausserdem durch hormonelle Faktoren, Stress, Arzneimittel, Umweltbedingungen oder ihren natürlichen Verlauf verändern.
Warum beobachten manche Menschen mehr Pickel mit silikonhaltigen Produkten?
Die Beobachtung kann zutreffen, ohne dass die vermutete Erklärung richtig sein muss. Eine reichhaltige Textur kann ungeeignet sein, mehrere Produkte können gleichzeitig eingeführt worden sein, oder ein Akneschub fällt zufällig mit einem Routinewechsel zusammen.
Es ist auch möglich, dass jemand ein bestimmtes Silikon in einem leichten Serum gut verträgt, eine reichhaltigere Rezeptur mit demselben Stoff aber nicht.
Deshalb ist die Erfahrung mit dem fertigen Produkt aussagekräftiger als eine pauschale Regel über eine ganze Inhaltsstofffamilie.
Sollten fettige oder zu Akne neigende Hauttypen alle Silikone meiden?
Nein. Bei unreiner Haut ist es nicht grundsätzlich notwendig, sämtliche Silikone aus der Pflege auszuschliessen.
Sinnvoller sind angenehme Texturen, gut formulierte Produkte und gegebenenfalls Pflege, die für zu Akne neigende Haut entwickelt oder getestet wurde.
Wenn Sie wiederholt neue Unreinheiten mit einem bestimmten Produkt beobachten, setzen Sie es vorübergehend ab und verfolgen Sie die Entwicklung. Schliessen Sie aber nicht ohne zusätzliche Hinweise auf einen einzelnen Inhaltsstoff als Ursache.
Ist «silikonfrei» automatisch besser für die Haut?
Nicht unbedingt. Eine silikonfreie Formulierung kann hervorragend sein, ebenso eine silikonhaltige. Die Angabe «silikonfrei» beschreibt eine Eigenschaft der Rezeptur, aber keine allgemeingültige Aussage zu Qualität, Verträglichkeit oder Wirksamkeit.
Eine Marke kann aus Gründen der Textur, Positionierung oder aufgrund ökologischer Überlegungen auf Silikone verzichten. Das kann legitim sein, ist aber eine andere Frage als die Behauptung, Silikone würden grundsätzlich die Poren verstopfen.
Wie finden Sie heraus, ob ein Produkt wirklich zu Ihnen passt?
Führen Sie neue Produkte möglichst einzeln ein, insbesondere wenn Sie schnell Pickel bekommen. So können Sie Veränderungen Ihrer Routine besser zuordnen.
Beobachten Sie über einen sinnvollen Zeitraum den Hautkomfort, wiederkehrende neue Läsionen, betroffene Stellen und gegebenenfalls die Entwicklung nach dem Absetzen. Suchen Sie nicht für jeden einzelnen Pickel nach nur einer Ursache.
Bei anhaltender, entzündlicher Akne oder Narbenbildung ist dermatologischer Rat hilfreicher als eine umfassende Suche nach Silikonen auf INCI-Listen.
Zum Vertiefen lesen Sie auch unseren Leitfaden zu unreiner Haut sowie die Erklärung, ob sich Poren wirklich öffnen und schliessen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Silikone verstopfen die Poren nicht automatisch. Filmbildende Eigenschaften machen sie nicht zwangsläufig komedogen. Für die Beurteilung eines Kosmetikprodukts sind die gesamte Rezeptur, ihre Textur und die Reaktion Ihrer Haut aussagekräftiger als ein einzelner Inhaltsstoff.
Statt eine ganze Stoffgruppe grundsätzlich auszuschliessen, wählen Sie passende Produkte und beurteilen Sie diese als Ganzes.
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Quellen und Referenzen
Ausgewählte wissenschaftliche und institutionelle Quellen zur Erstellung und Überprüfung dieses Artikels.